Mythos und Zauberwort zugleich – gehört das Burgund doch zu den berühmtesten und ältesten Anbaugebieten Frankreichs und ist gleichzeitig die nördlichste Region Europas, in der wahrhaft große Rotweine ihren Ursprung haben. Geografisch bildet die Region den Landesmittelpunkt und steht seit 2015 unter dem Schutz des Weltkulturerbes der UNESCO. Viele Weinkenner würden sicher einen Eid darauf schwören, dass hier aus den Rebsorten Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Blanc Tropfen entstehen, die in ihrer Komplexität und Fülle unübertroffen sind. Es liegt nahe, dass man es im Burgund zu leben und zu genießen versteht – „zu Tisch bitte“ bedeutet hier meist, dass er mit dem Besten gedeckt ist, was Garten oder Markt und Weinberg hergeben.

Unsere Weine aus dem Burgund


Domaine Billaud-Simon: Glanzstücke aus dem Chablis und ein Chardonnay mit Ambitionen

Es lohnt sich, auf einer kleinen Reise durch die Geschichte des Chablis einen Zwischenstopp bei der Domaine Billaud-Simon einzulegen, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Sie steht für erstklassige trockene Premiers Crus und Grands Crus aus allerbesten Lagen mit einer Gesamtfläche von 17 Hektar – einige Rebstöcke sind mehr als 60 Jahre alt. Die Chardonnays machen allein mit ihrer kristallklaren Farbe auf sich aufmerksam; kompromisslos durchgegoren, geben ihnen subtile Feuchtigkeit und das typische Feuersteinaroma das richtige Quantum Raffinesse. Alle Weine sind lange haltbar und gewinnen mit den Jahren immer mehr an Ausdruck und Eleganz. Ein fein geschliffener Charakter etwa ist der 2014er Chablis Grand Cru Vieilles Vignes „Les Blanchots“. Grüne Reflexe finden sich hier in einem hellen Goldton wieder, im Bukett offenbart sich dann ein floraler, mineralischer Duft. Derart eingestimmt, stößt der Geschmackssinn auf Noten von Akazienhonig und Trockenfrüchten, alles mündet in einen unendlich langen und komplexen Abgang – ein Wein mit großer Zukunft.

Die Domaine Billaud-Simon wird mit Liebe zur Natur und Respekt vor dem Reifeprozess großer Weine geführt. Nach der Lese zur besten Reifezeit gelangen die Trauben in den Bottichraum, wo sie per Hand sortiert, schonend gepresst und anschließend ausgebaut werden. Dieses Verfahren stimmt man anschließend sorgfältig auf den Jahrgang, die angestrebten Eigenschaften des Weins und die jeweilige Lage, von der die Trauben stammen, ab.

Es war kurz nach den Napoleonischen Kriegen, als Charles Louis Billaud im Jahr 1815 den Grundstein für die Domaine legte – sie war danach über Jahrhunderte hinweg im Familienbesitz. Als Samuel Billaud 2010 sein eigenes Unternehmen gründete, stand das Weingut zum Verkauf und wurde von Erwan Charles Jean Faiveley erworben, der es bis heute leitet. 

Château Fuissé

Wäre die Chardonnay-Rebe in der Lage, sich ihren Standort selbst auszusuchen, könnte ihre Wahl des Öfteren auf die Region Pouilly-Fuissé im südlichen Burgund fallen. Inmitten des Mâconnais, am Fuß gewaltiger Felsumrisse der Gemeinden Solutre und Vergisson gelegen, erstreckt sich hier eine Enklave, aus der große, kraftvolle Weißweine hervorgehen. Wellige Kalksteinhügel und ein alkalischer Tonboden sind als Voraussetzungen der Natur wie gemacht für Chardonnays, die man so schnell nicht vergisst. Sie genießen seit langem weltweit einen ausgezeichneten Ruf – zu dem das Château-Fuissé einen nicht unerheblichen Beitrag leistet: die strukturierten Weine mit ihrem langen, nachhaltigen Abgang und feinen Barrique-Noten nehmen in der Region eine Spitzenposition ein und finden weltweit Nachahmer. Mehr als 40 Jahre alt sind die Rebstöcke der Domaine und bringen Kostbarkeiten wie den „Tête de Cuvée“ hervor. Hier ist es Winzer Antoine Vincent gelungen, mit leichter Hand einen Hauch Exotik durch das Château wehen zu lassen: Im Bukett finden sich Noten tropischer Früchte, die gemeinsam mit einer zarten Vanillenote dem Gaumen zeigen, welche Harmonie aus fein abgestimmte Ingredienzien entstehen kann.

Im Château-Fuissé weiß man um die Kostbarkeit der sehr alten Reben und lässt ihnen die angemessene Wertschätzung zukommen – der „Tête de Cuvée“ etwa entsteht aus 100 Prozent Chardonnay-Reben, die zwischen 1965 und 1985 gepflanzt wurden. Die Weine gären und reifen in Fässern, die Jahr für Jahr zu einem Fünftel erneuert werden. Bei der Auswahl des Eichenholzes achtet man sorgfältig darauf, dass es mit dem geernteten Lesegut in Einklang steht und dieses bei der Reifung in bester Weise veredelt.

Domaine und Château gehen auf das Jahr 1862 zurück, als Charles Boulland beides erwarb. Er legte damit den Grundstein für eine bis heute andauernde Familientradition in Sachen Weinherstellung. Die Erfolgsgeschichte der Chardonnays aus Pouilly und Fuissé ist allerdings ohne den Winzer Jean-Jacques Vincent kaum vorstellbar. Er machte sich Ende der 60er Jahre daran, Tradition und Moderne geschickt miteinander zu verbinden und zeigte, dass man sich auch südlich der Cotes d’Or auf die Herstellung eleganter und ausdrucksstarker Chardonnays versteht. Seit 2003 leitet Antoine Vincent die Geschicke des Unternehmens und macht sich als erfahrener Produzent weiterhin um den Exzellenzstatus der Weine verdient.

Domaine Marc Morey: Feine Noten für exzellente Weißweine – fruchtig und perfekt gereift

Wer zwischen Paris und Lyon unterwegs ist, kommt an Chassagne-Montrachet nicht vorbei. Die Gemeinde im südlichen Teil der Côte d‘Or ist klein und beschaulich, hat aber eine große Vergangenheit, die sich bis in die Zeit der Römer zurückverfolgen lässt. Beim Streifzug durch das Örtchen hat man den Eindruck, dass hier eben diese Zeit stehen geblieben ist, so verträumt und von früheren Epochen geprägt muten Straßen und Häuser an.

Château de la Tour Clos-Vouget: Die Grand Crus aus dem Schloss – vom Feinsten und voller Finesse

Hier möchte man gerne einmal Schlossherr oder –herrin sein: Das imposante und gleichzeitig wie aus dem Märchen anmutende Château de la Tour atmet Historie. Hinter seinen Mauern verbirgt sich dennoch eine moderne Kellerei, in der die Trauben des „Clos de Vougeot“, einer der berühmtesten Weinberge im Burgund, zu wahrhaft erlesenen Grand Crus verarbeitet werden. Höchstwahrscheinlich waren es Zisterzienzer-Mönche, die den etwa 50 Hektar großen Weinberg im 12. Jahrhundert angelegt haben. Die heutigen Besitzerinnen des Guts, die Schwestern Nicole Déchelette und Jacqueline Labet, – Letztere leitet den Betrieb gemeinsam mit ihrem Sohn François – können in der Tat aus dem Vollen schöpfen: Zur Domaine gehören die wichtigsten Parzellen der Grand-Cru-Lage und die Familie hat das Privileg, den Wein innerhalb des Clos-Vougets vinifizieren und reifen lassen zu können. Wen wundert es also, dass der Pinot Noir des Hauses hochelegant und kraftvoll ist und gemeinsam mit seinem seidigen Geschmack mehr als nur einen Grund liefert, ihn zu probieren. Dabei lässt der Körperreichtum einer beeindruckenden Finesse den Vortritt.

Es gibt keine guten Weine ohne gute Trauben

Dieses Motto prägt und bestimmt die Weinbereitung im Château de la Tour, die Domaine wird ausschließlich biologisch-organisch betrieben. Bei der Rebenernte draußen am Berg, aber auch innerhalb der alten Mauern wird noch wie zur Zeit der Mönche gearbeitet, dennoch kommt bei der Herstellung auch modernste Technik zum Einsatz. Die Trauben werden per Hand geerntet und in Weidekörben transportiert, damit die Säfte abfließen können – eine Oxidation wird somit vermieden. Sorgfältig ausgewählte Früchte machen im Gärprozess unter kontrollierten Temperaturen ihre ersten Entwicklungsschritte. Die Traditionsweine reifen dann mindestens zehn Jahre in den Kellergewölben und weisen ein erstaunliches Alterungspotenzial auf. Ihre Vollendung erreichen sie durch geschickt eingesetztes Holz.
Mit dem Anbau von Wein haben sich die Vorfahren der heutigen Besitzer, die Labets und Déchelettes, bereits Ende des 15. Jahrhunderts beschäftigt, die Bestände des Chateau de la Tour sind seit 1889 im Familienbesitz. Heute ist François Labet für die Zubereitung der exzellenten Grand Crus verantwortlich.

Domaine Lamy-Pillot: Große, kostbare Weine – Mit Sorgfalt und Respekt vor der Natur geschaffen

Führt einen der Weg vom „weinberühmten“ Örtchen Chassagne-Montrachet in die schöne Umgebung, gelangt man früher oder später zum Weiler Morgeot – und damit zum Domizil der Winzerfamilie Lamy-Pillot – eine bekannte und angesehene Domaine.

Im Team mit erfahrenen Fachleuten bewirtschaften René Lamy und seine beiden Töchter hier Hand in Hand eine 20 Hektar große Anbaufläche in unterschiedlichen Weinlagen zwischen St. Aubin und Santenay. Hier wachsen edle Chardonnay- und Pinot-Noir-Reben als Ursprung köstlicher Weiß- und Rotweine heran: Bei den Blancs etwa entstehen Preziosen wie der 2014er Chassagne-Montrachet 1er Cru „Les Vergers“, bei dem sich Weißdorn und exotische Früchte zum harmonischen Duo zusammenfinden. Ein dezenter Holzton als Dritter im Bunde – und heraus kommt ein Weißwein von erstaunlicher Frische, dem Nuancen von Ananas und Pampelmusen förmlich die Krone aufsetzen. Strahlend, tief und rot dagegen der komplexe 2014er Chassagne-Montrachet 1er Cru „Boudriotte“. Im Bukett machen schwarze Johannisbeere und Brombeere auf sich aufmerksam, veredelt durch ein sanftes Veilchenaroma. Die Früchte erspürt man auch auf der Zunge, der unendlich lange Abgang wird schließlich von feinen Holztönen begleitet. Exzellent!

Schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts traf René Lamy eine zukunftsweisende Entscheidung: Ausschließlich nachhaltig wird der Wein des Hauses seitdem angebaut, chemische Mittel such man hier vergebens. Einfachheit und Orientierung an den Gegebenheiten und dem Rhythmus der Natur gehören zur Philosophie, viele Arbeitsschritte wie zum Beispiel die Weinlese erfolgen noch per Hand. Zum Familienprinzip gehört es, das Beste aus jedem Jahrgang herauszuholen, dabei besinnt man sich immer wieder auf Wissen, Erfahrungen und Erkenntnisse, die von einer Winzer-Generation zur nächsten weitergegeben worden sind. Auf diese Weise entstehen außergewöhnliche Weine, bei denen Klasse immer vor Masse geht: Von der Spitzenlage Le Montrachet Grand Cru stehen Händlern – so auch der Hanseatischen Weinhandelsgesellschaft – nur einzelne Flaschen zur Verfügung, jede für sich eine Kostbarkeit.  

Die Ursprünge der Winzerfamilie Lamy-Pillot lassen sich bis in das 16. Jahrhundert hinein zurückverfolgen. 1973 gründeten René und Thérèse Lamy-Pillot, beide Sprösslinge von Winzerfamilien, die Domaine im Weiler Morgeot, in den 90erJahren entschlossen sich auch Kinder- und Schwiegerkinder, in den Betrieb einzusteigen. Heute bilden René Lamy und seine beiden Töchter das Herz des namhaften Unternehmens.

Domaine Bruno Clair: Winzerkunst und Weine im Verbund mit der Natur

Schon von weitem sieht man die Domaine mit ihrem strahlend weißen Anstrich und den leuchtend roten Dächern inmitten von grünen Rebflächen liegen. Auf diesem exquisiten Grund in der Region Côte d’Or hegt und pflegt auch Bruno Clair seine kostbaren Pflanzen: die Domaine umfasst rund 23 Hektar erstklassige Premier-Cru- und Grand-Cru-Lagen zwischen Bon Mares und Corton Charlemagne. Es sind exzellente Weine, die hier entstehen und in den tiefen Kellergewölben des Weinguts lagern dürfen. Sie sind meisterhaft gelungen, von großer Finesse, konzentriert und lange haltbar und gleiten in angenehmer Milde sanft und geschmeidig über die Zunge.

Bruno Clair ist Winzer aus Leidenschaft und lebt konsequent seine Prinzipien und Ideale – diese wurzeln in der Natur und dem behutsamen Umgang mit ihr. So werden die Premier Cru- und Grand-Cru-Lagen mit den beiden Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet. Ein nachhaltiges Konzept, das auf Klasse setzt: Durch den Verzicht auf Chemie sind die Erträge begrenzt und damit umso kostbarer, die Trauben werden per Hand geerntet und gelesen. Teilweise entrappt und in Holzbottichen mit natürlichen Hefen vergoren, entstehen aus den Früchten leichte, frische Weine von pulsierender Lebendigkeit. Der Ausbau mit der Entstehung überaus eleganter Aromen gelingt durch die anschließende Reifung in zur Hälfte neuen Barriquefässern. Ein Prozess, der von den bekannten Weinmachern und Önologen André Geoffroy und Philippe Brum mit Expertise und Sachkenntnis begleitet wird.

Es war Joseph Clair, der die berühmte Domaine Clair-Daü 1919 in der kleinen Gemeinde Marsannay-la-Côte gründete. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg leistete er wertvolle Aufbauarbeit: Viele Anbaugebiete des Burgunds befanden sich in einem beklagenswerten Zustand. Clair ermutigte die Winzer in seiner Umgebung, die Flächen wieder mit unterschiedlichen Rebsorten zu bepflanzen und die Weinproduktion in Gang zu bringen. Nach einer wechselvollen Familiengeschichte brachte sein Enkel Bruno 1979 die Weinberge côte in seinen Besitz und keltert seitdem in eigener Domaine. Er führt damit eine lange Tradition fort, die er mit neuen Ansätzen und Konzepten in die Zukunft führt.

Domaine Drouhin-Laroze: Pinot Noir von aromatischer Opulenz – veredelt durch die Handschrift seines Schöpfers

Der Chambertin soll ein Lieblingswein von Kaiser Napoléon gewesen sein, der bekanntlich kein Kostverächter war. Der edle Tropfen stammt aus den Weinbergen rund um die kleine Gemeinde Gevrey Chambertin im nördlichen Teil der Côte d‘Or im Burgund. Eine Gegend, die weithin berühmt ist für ihre vielen Grand Cru- und Premier Cru-Lagen – und für prestigeträchtige Domainen wie die der Familie Drouhin-Laroze, die hier über sechs Generationen hinweg die Kunst der Rotweinbereitung perfektioniert hat. 12 Hektar Rebfläche mit sieben Grand Cru-Lagen sind es heute, die den eleganten, komplexen, tiefen und kraftvollen Pinot Noirs eine perfekte Grundlage geben. Diese zeichnen sich durch Finesse und aromatische Opulenz aus und tragen eindeutig die Handschrift ihres Schöpfers Philippe Drouhin, der ein Gespür für die besten Eigenschaften der Rebsorte und die Besonderheit der Lage auf einzigartige Weise in den Weinen seiner Domaine zur Geltung bringt.

Es ist eine historische Umgebung, in der die Weine der Domaine Drouhin-Laroze 18 Monate lang ihre herrlichen Aromen entwickeln dürfen: Die Grand Crus werden zu 100 Prozent, die Premier Crus zu 50 Prozent in neuen Fässern gelagert und reifen in einem zweistöckigen Kellergewölbe, das im Jahr 1815 erbaut wurde; in den bereits genutzten Barriques werden die Village Weine ausgebaut. Ist der Reifeprozess beendet, kommen die Weine ohne Schönung und Filterung direkt auf dem Gut zur Abfüllung.  
Die Domaine wurde 1850 gegründet, es brauchte allerdings die Hochzeit von Alexandre Drouhin und Susanne Laroze im Jahr 1919, um dem Weingut zum heute so bekannten Doppelnamen zu verhelfen. Ein Händchen für anstehende Veränderungen und Erweiterungen, aber auch Risikobereitschaft und der konstante Blick in die Zukunft zeichneten das Unternehmen von Beginn an aus. Schon früh hatte man beispielsweise in Hanglagen investiert. Heute wird das Gut von Philippe und Christine Drouhin geführt, denen mit den Kindern Caroline und Nicolas bereits die nächste Generation zur Seite steht – und das mit Herzblut und Idee: Caroline hat bereits eine eigene Marke kreiert.